Komponist, Arrangeur und Musiker

Portrait

 

Vorwärts zurück zum Wesentlichen…

Wer den Komponisten, Arrangeur, Pianisten und Sänger Knut Maurer in seiner Altbauwohnung in der Karlsruher Knut Maurer im StudioWeststadt besucht, betritt eine andere Welt. Allenthalben erinnern Einrichtungsgegenstände und Accessoires an den Jugendstil, vor allem aber an die 70er und Siebziger Jahre – jene Zeit, die für ihn und sein künstlerisches Schaffen einen Kristallisationspunkt darstellt, aus dem er Inspiration für Gegenwart und Zukunft bezieht, ohne indes der Vergangenheit verhaftet zu sein: „Seiner Linie treu bleiben, aber neue Trends aufnehmen” lautet sein Motto.
Selbst der Gang auf die Toilette gerät zum Kulturerlebnis; denn dort stapeln sich „Spiegel”-Hefte, und auf dem Spülkasten liegt ein Buch über den Komponisten Erik Satie. Überall künden etwa achttausend Schallplatten, Stapel von CDs und geschätzte 1500 Musikvideos von Maurers großer Leidenschaft, ganz abgesehen natürlich von dem Flügel und dem komplett eingerichteten Tonstudio einschließlich antiquarischer Instrumente.

Und genauso präsentiert sich auch der Hausherr…

Knut Maurer, gekleidet im Geiste der Endsechziger, hat sich diese eigene Welt geschaffen, ohne dabei aus der sie umgebenden zu flüchten oder sie zu ignorieren – kein Spinner, aber ein Original. Auf einem Stuhl in der Küche liegt eine Zigarettenschachtel der längst verblichenen Marke „Overstolz”, in die er neu gekaufte Zigaretten steckt und dafür die neue Schachtel mit den EU-genormten Aufdrucken à la „Krebs macht blöd” entsorgt.
Knut Maurer, aufgewachsen in Kaiserslautern, stammt aus einer musikalisch vorbelasteten Familie. Zwei Musikrichtungen ziehen sich wie ein roter Faden durch sein Wirken, die auf den ersten Blick herzlich wenig miteinander zu tun haben. Die eine ist die klassische Musik mit dem deutschen Dreigestirn Bach, Beethoven und Schumann, die ihn ein Leben lang begleitet haben; die andere, in der er die für sich optimale musikalische Ausdrucksform gefunden hat, ist Jazz und Rhythm ’n’ Blues. Für ihn kein Widerspruch, denn: „Jazz und Blues haben etwas zeitloses – wie die Klassik.”

Wie auch immer sonst sich seine Biografie…

gestaltete, diese beiden musikalischen Gattungen haben sich parallel durch jede seiner Lebensphasen gezogen: Seit 1960 klassischer Klavierunterricht; ’63 erster Auftritt als Sieger eines Schülerwettbewerbs, zu dem auch eine Schallplatte produziert wurde; später kamen Orgel, Dirigieren und Cello zu seinem klassischen Repertoire; 1972 und ´73 2. Preis beim Bundeswettbewerb; erste LP- Aufnahme mit 18 Jahren. Von 1974 bis ’79 folgte ein Studium der klassischen Musik in Heidelberg und Mannheim, dem sich Tätigkeiten als Dirigent und Organist sowie als Dozent anschlossen. Soweit die Klassik.
Maurers Jugend war aber auch die Zeit, in der „die Popmusik erwachsen wurde”. Die Beatles, Manfred Mann und ganz besonders die Kinks haben ihn musikalisch geprägt.
Just zur Zeit seines Studiums etablierte sich die „Submusik”, wie der Pop damals genannt wurde, als ordentliches Studienfach in Mannheim. Und so machte Knut Maurer seinen künstlerischen Weg in der „Submusik”, der ihn über das Engagement in verschiedenen Bands 1988 zur Zusammenarbeit mit der Gospeldiva Maisha Grant führte. Es war eine sehr erfolgreiche Zeit mit Tourneen im In- und Ausland, Fernsehauftritten und CD-Aufnahmen, unter anderem mit Guitar Crusher, Luisiana Red, Chicken Shack.

Seit Ende der Achtziger Jahre…

trat er überdies mit Bands hervor, die ebenso gekonnt wie erfolgreich Bearbeitungen von Stücken anderer wie auch eigene Kompositionen präsentierten. Sie hießen „Backyard Brew”, „Living in the Past” und seit 2002 „Rhythm ’n’ Blues-Zirkus”.
Der Linie „Songs from Jazz to Rhythm ’n’ Blues” will er auch in Zukunft treu bleiben – mit seinem Projekt „Picture Book”, bei dem ihn alte Mitstreiter wie Bassist Wolfgang Franz, Saxophonist Laslo Wolpert und Schlagzeuger Steffen Liede begleiten, mit der Sängerin Saskia Kast – über die noch zu reden wäre – aber auch ein aufgehender neuer Stern am Musikhimmel.

mw.

Wir danken herzlich der Redaktion, der Karlsruher Kulturzeitung RAUMK
für die Erlaubnis, den Artikel verwenden zu dürfen (Ausgabe Nr. 29 Februar 2005 Seite 7)